7200 freie Lehrstellen im Südwesten

HaMo
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7200 freie Lehrstellen im Südwesten

Beitragvon HaMo » Fr 26. Mai 2017, 11:14

In schöner Regelmäßigkeit wird medienwirksam der Mangel an Lehrlingen beklagt. Speziell im Gastronomie- und Pflegebereich sowie im Handwerk will das Lamentieren der jeweils zuständigen Verbände schier kein Ende nehmen weil tausende Stellen und Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können.
Aber jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten und deshalb ist auch der Einwand der Gewerkschaft Verdi nicht ganz von der Hand zu weisen. Diese beklagt, dass insbesondere in den vorgenannten Bereichen die Arbeitsbelastung, die Arbeitsaufgaben, die körperliche Belastung und die Überstunden nicht gerade zur Motivation beitragen und deshalb beispielsweise ca. 40 % der Lehrlinge mit ihrer Berufswahl nicht zufrieden sind und diese oftmals abbrechen.
Als Beispiel seien hier nur die eigenartigen Ausführungen des Baden-Badener DEHOGA-Vorsitzenden (Deutscher Hotel- und Gaststätten Verband) angeführt, der die gesetzliche Regelung zum Mindestlohn und zur Arbeitszeit beklagt und das Schreckgespenst des hierdurch zu befürchteten Ruins einiger Mitgliedsfirmen an die Wand malt.
Na, wenn das keine Motivation für Lehrlinge gerade in dieser Branche ist!?
Statt nun ständig zu lamentieren, sollte man sich vielleicht mal Gedanken machen, wie diese Misere zu beheben wäre. Wenn ein junger Mensch frisch von der Schule kommt, dann kann er oder sie entweder noch einige Jahre beim Studium eine „ruhige Kugel schieben“, oder falls dies nicht möglich ist, wird er oder sie eine Lehrstelle antreten und dort meist sofort „ins kalte Wasser geworfen“ und das ist falsch. Wer meint, dem jungen Menschen, der in der Schule und zuhause nicht, oder nur in geringem Umfang gefordert wurde, nun sofort zeigen zu müssen, wie sich das harte Berufsleben in der Praxis anfühlt, trägt zur Demotivation bei und wird den Lehrling voraussichtlich verlieren. Ein Lehrling wird nur Freude an seiner Arbeit finden, wenn er oder sie anständig behandelt und nur ihren Möglichkeiten entsprechend gefordert und vernünftig bezahlt werden. Und genau diese Punkte sind speziell in der Gastronomie und im Pflegebereich ausgesprochene Schwachstellen. Die zuständigen Verbände müssen sich also nicht wundern, wenn niemand mehr diese Berufe ergreifen will. Ein Umdenken täte hier dringend not!

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