Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

MIKE
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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon MIKE » Do 18. Jul 2019, 21:18

Die Markgräfin lustwandelt schon lange nicht mehr dort.
Die Ureinwohner sehen sich lieber die Postkarten von ihm an.
Und trotzdem ist er so verschmutzt
Der Schlossgarten Rastatt ist ein beliebter Ort für wen eigentlich noch?
Da gibt es Zeitgenossen, die sie sich so sauwohl dort fühlen, dass an den Wochenenden oft mehr Müll zurück bleibt, als die Abfalleimer fassen können. Nun wird auch am Sonntagmorgen auf der Anlage für "Ordnung" gesorgt, damit es am Sonntagabend für die Gäste wieder sauber ist.

Mistral
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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » Fr 19. Jul 2019, 08:14

MIKE hat geschrieben:Bühl befindet sich im Notstand und hat keinen Plan.
In die Pflicht nehmen

Zum "Apropos" über den Klimanotstand in Bühl (BT vom 13. Juli) schreibt Barbara Sprauer aus Bühl:

Wie recht doch Gerold Hammes mit seinem Beitrag "Apropos" hat. Ich möchte ihm da in jeder Hinsicht beipflichten und ich bin bestimmt nicht die Einzige in Bühl. Wie lernt man es: erst denken, dann handeln. Meiner Meinung nach wäre der richtige Weg gewesen, erst eine Klausurtagung anzuberaumen, dort Gedanken zusammenzutragen und gute und auch durchführbare Entscheidungen zu treffen. Ich glaube nicht, dass sich danach der Gemeinderat für einen Klimanotstand ausgesprochen hätte, denn es ist nun nicht vorhersehbar, was alles auf die Stadtverwaltung zukommt, um diesem Klimanotstand gerecht zu werden.
In der gleichen Ausgabe erscheint ein Artikel, wie sich Rastatt mit diesem Thema auseinandersetzt. Es wäre wohl ganz gut gewesen, wenn sich die Nachbarkommunen im Vorfeld über dieses doch große Thema und auch Wort ausgetauscht hätten.

Wo diese Entscheidung hinführt und wie die Stadt handelt, um auch noch glaubwürdig zu sein, darauf bin ich echt gespannt. Ich werde es genau verfolgen und sie in die Pflicht nehmen, wo immer es mir möglich ist. Ich bin bestimmt nicht die Einzige.

Apropos:Notstand de luxe

Jetzt also ist es amtlich: In Bühl ist der Notstand ausgebrohen. Wow! Der nächste konsequente Schritt wäre ein kommunales Notstandsgesetz. Wobei: In Bühl herrscht keine Trinkwassernot, keine Nahrungsmittelknappheit, keine Wassernot (Feuerwehrtechnischer Begriff für Hochwasser). Nein, der Gemeinderat hat am Mittwochabend den Klimanotstand ausgerufen. Allein, was diesen "Katastrophenbegriff" rechtfertigen könnte, wäre die Wohnungsnot. Aber auch diesen Tatbestand könnte man als Wohnungsmangel sprachlich weniger martialisch deklarieren.

Dabei dachten bislang die allermeisten Bühler, sie lebten - vergleichsweise zu anderen Regionen, Ballungs- und Industriezentren dieses Landes - auf einer Insel der Glückseligkeit, zwischen Rhein und Schwarzwaldhöhen, zwischen Streuobstwiesen und Weinbergen. Einen Teil der jüngsten ökologischen Errungenschaften und Vorzeigebeispielen hat der OB ja dann aufgezeigt: mit Klimopass, Klimabeirat, Stärkung der Biodiversität oder der Einstellung einer Klimabeauftragten. Die Liste ließe sich beliebig verlängern: um die Umstellung auf LED-Technik, die Einführung einer städtischen ÖPNV-Linie, die Eindämmung von Steingärten, Förderung von Landschaftsoffenhaltung, Priorität von Baulückenschließung vor Ausweisung von Neubaugebieten, Millioneninvestitionen in den Hochwasserschutz (Renate-Stollen und zahlreiche Rückhaltebecken), eigene Spuren für Radfahrer in der Innenstadt, die Förderung des "Bühler Blütenmeers" mit einer speziellen Blumenmischung oder das Bühler Stadtradeln. Nebenbei sei vermerkt, dass Bühl zu den waldreichsten Kommunen Baden-Württembergs zählt mit einem stabilen und resistenten Mischwald und eigener Forstabteilung, Mitglied des Nationalparks ist und in Bühlertal das Headquarter des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord zuhause ist, über zahlreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiete mit Vorbildcharakter (Stichwort: Waldhägenich mit eigenem Ranger) verfügt und eine städtische Umweltabteilung mit sechs Mitarbeiterinnen unterhält. Und so weiter und so fort. Von einem "Klimanotstand" ist man also weit entfernt, wenngleich alle sinnvollen Maßnahmen gegen die Erderwärmung willkommnen sind. Am Mittwochabend fiel denn auch wiederholt der Slogan "Global denken, lokal handeln".

ie Frage ist also erlaubt: Hätte es nicht eine Nummer kleiner sein dürfen? Selbst GAL-Vordenker Walter Seifermann ("Notstand ist ein sehr großes Wort") hatte so seine Probleme damit. Beispielsweise mit einem aufmunternden und die Sinne und die Eigenverantwortung anregenden "Prima Klima: Bühl macht mit!" So aber hat man sich und dem Bürger eine XXL-Packung Valium verabreicht, um das eigene Gewissen zu beruhigen beziehungseis zu stärken. "Symbolpolitik" nannte dies der FDP-Fraktionsvorsitzende Lutz Jäckel. Andere nennen das Alibi-Politik. Wobei die Gefahr, dass die Verwaltung und der Gemeinderat in die selbst aufgestellte Glaubwürdigkeitsfalle tappen (und schon getappt sind) dürfte nicht gering sein. Siehe die anstehende Baumrodung im Kifaz-Garten für eine Mensa. Wäre dies seit Mittwochabend noch mit der Klimanotstand-Stadt Bühl zu vereinbaren? Zum Streetfood-Festival reisen die ach so umweltschädlichen Diesel-Trucks aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland an. Ist das zu rechtfertigen, oder gibt es wirklich kein Leben ohne Street-Food? Wer zieht künftig wo die Grenzen in der Bühler Kommunalpolitik?
Immerhin hätte die Stadt endlich einen neuen Ansatz für ein braunes touristisches Hinweisschild an der A5. Nächste Ausfahrt Bühl: "Klimanotstand". Urlaubswillige würden zwar ungebremst weiterfahren, aber immerhin die Katastrophentouristen würden den Blinker setzen. Gerold Hammes

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » Fr 26. Jul 2019, 07:54

In Bühl dürfte es noch heißer werden, wie unsere Heimatzeitung gestern berichtete.

Einnahmen haben sich "signifikant verschlechtert"
OB erstattet ersten Finanzbericht 2019 / Gewerbesteuer bricht um zehn Millionen Euro ein / Kassenbestand "gerade noch akzeptabel"
Bühl (gero) - Die Steuereinnahmen der Stadt haben sich "signifikant verschlechtert". Vor allem die Entwicklung der Gewerbesteuer bereitet großen Kummer. Sie bricht von veranschlagten 26 Millionen um zehn Millionen Euro ein. Diese düstere Botschaft verkündete Oberbürgermeister Hubert Schnurr bei seinem Finanzbericht gestern Abend im Gemeinderat.
Als gerade "noch im akzeptablen Bereich" stelle sich der Kassenmittelbestand dar. Er müsse - "zumindest vorerst" - nicht durch Kassenkredite gestützt werden, erläuterte das Stadtoberhaupt. Im Ergebnishaushalt sind 91 Millionen Euro an Erträgen ausgewiesen, denen 87 Millionen an Aufwendungen gegenüberstehen. Damit kann der berechnete Überschuss von 3,7 Millionen Euro nicht mehr erreicht werden. Im Gegenteil: Im Haushalt werde ein Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro ausgewiesen. In dieser Summe ist bereits die Auflösung der Rückstellung für die FAG- und Kreisumlage berücksichtigt. Ansonsten ergebe sich ein Fehlbetrag von 4,5 Millionen Euro.
Bei der Gewerbesteuer entwickeln sich vor allem die Nachzahlungen beziehungsweise Vorauszahlungen "alles andere als positiv". Damit erklärte Schnurr auch die am 4. Juni erlassene Haushaltssperre von 20 Prozent bei den Sach- und Dienstleistungen sowie zehn Prozent bei der Gebäudeunterhaltung.


In unseren Mittelzentren dürften die fetten Jahre vorerst vorbei sein. Nach Rastatt und Gaggenau, hat es jetzt auch Bühl erwischt. Es ist nicht nur der Einbruch bei den Gewerbesteuern - Nach- bzw. Vorauszahlungen - zu verkraften, der nächste Schritt sind Rückerstattungen von zu viel gezahlter Gewerbesteuer und die reißen dann richtige Löcher.

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon MIKE » Sa 27. Jul 2019, 16:10

@ Mistral
Es ist nicht das erste Mal, dass Impondarabilien besonders des Konzerns der
Ehrenbürgerin und ihres Sohnes den Bühler Rathäuslern das Bleistiftspitzen
beigebracht haben.
Die Entwicklung war vorauszusehen und ich glaube, dass sie das auch wurde.
Nun gibt es dankenswerterweise den Sonnenguru aus Baden-Baden, der weiß
wie man die Leute, die möglicherweise einen neuen Job suchen müssen, wieder
in Brot und Arbeit bringt. Im Verein mit einem sehr erfahrenen Landrat, einer
TOP Regierungspräsidentin und den Grünen K in Stuttgart, die ebenfalls wissen,
wie man solche "Lecks" schließt, wird es gelingen, das Stadtsäckel wieder zu
füllen.

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » So 28. Jul 2019, 07:04

MIKE hat geschrieben:Die Entwicklung war vorauszusehen und ich glaube, dass sie das auch wurde.

Na dann, da habe ich mir wieder einmal umsonst Sorgen gemacht. Wir haben Kapazitäten auf den Ämtern sitzen und keine Blindgänger. Sorry, hatte das leider vergessen.

Hoffentlich ergeht es Bühl nicht wie Rastatt, denn aus der Barockstadt durfte unsere Heimatzeitung gestern folgende Meldung veröffentlichen:

Gewerbesteuer: Erneuter Einbruch
Rastatt (ema) - Die Stadt Rastatt muss einen weiteren Einbruch bei der Gewerbesteuer hinnehmen. OB Hans Jürgen Pütsch berichtete am Donnerstag im Gemeinderat, dass man statt der zunächst im Haushalt prognostizierten 55 Millionen Euro in diesem Jahr nur noch mit 13 Millionen Euro rechne. Für die Jahre ab 2020 rechnet die Kämmerei nur noch mit jeweils rund 25 Millionen Euro. Pütsch sagte, man müsse jetzt die geplanten Investitionen und Sachausgaben noch kritischer betrachten. Anfang Juli hatte der Verwaltungschef bereits eine Haushaltssperre erlassen wegen des drastischen Rückgangs bei den Gewerbesteuereinnahmen.


Vorausgesehen wurde in Rastatt für 2019 folgende Entwicklung:

1. Ursprünglich wurden 55 Millionen Euro Gewerbesteuer erwartet.
2. Im März dieses Jahres wurden die Erwartungen auf 38 Millionen Euro reduziert.
3. Anfang Juli verschlechterte sich die Einnahmesituation auf rund 19 Millionen.
4. Ende Juli erwartet Rastatt nur noch 13 Millionen Euro Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

Das ist nur eine geringe Differenz von 42 Millionen oder 76,4% Mindereinnahmen zur Wahrscheinlichkeitstheorie. Zudem sieht es theoretisch und wahrscheinlich für 2020 und die Jahre danach nicht mehr so düster aus, Rastatt erwartet 25 Millionen aus der Gewerbesteuer. Werden die von der Industrie nicht erbracht, wird das der Tourismus richten.

In Deutschland gibt es eine neue Krankheit: „FLUGSCHAM!“ Wahrscheinlich kommt noch ein schlimmeres Leiden, die „Kreuzfahrtpeinlichkeit“ hinzu.
Daher ist davon auszugehen - bzw. vorauszusehen – dass aus den Ballungszentren unserer Republik die Frischluftfans mit der Eisenbahn, dem Lastenfahrrad oder mit dem Eselkarren in riesigen Scharen unser schönes Mittelbaden besuchen werden. Zwischen Schwarzwald und Rhein wird dann der Euro ausgegeben, der bisher in der Ägäis oder auf den Kanaren verjubelt wurde.

Nehmen wir noch die freiwillige Co²-Bepreisung und die sozial verträgliche Anpassung der Grundsteuer dazu, dann gehen unsere Städte und Gemeinden, Hand in Hand mit den gut und gerne hier lebenden Bürgern, einer goldenen Ära entgegen.
Zuletzt geändert von Mistral am So 28. Jul 2019, 08:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon MIKE » So 28. Jul 2019, 07:56

Mistral hat geschrieben:
MIKE hat geschrieben:Die Entwicklung war vorauszusehen und ich glaube, dass sie das auch wurde.

Na dann, da habe ich mir wieder einmal umsonst Sorgen gemacht. Wir haben Kapazitäten auf den Ämtern sitzen und keine Blindgänger. Sorry, hatte das leider vergessen.
Hoffentlich ergeht es Bühl nicht wie Rastatt, denn aus der Barockstadt durfte unsere Heimatzeitung gestern folgende Meldung veröffentlichen:
.


Natürlich konnte nichts anderes erwartet werden. Schließlich lesen die Damen und Herren in Mittelbadens Rathäusern doch alle dieses Forum!
Letzte Zweifel können höchstens noch die ARD-Hörigen unter ihnen gehabt haben.

27.07.2019
Reuters:„Decline in German business morale fuels recession fears“.
Financial Times: „German manufacturing reports industry “in freefall”“.
Telegraph: “German economy in „free fall“ as exhausted Draghi loses his magic”.
ARD: „Glaubt man der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts ist die Stimmung in der deutschen Industrie im freien Fall“.

"Sachdienliche Informationen sind wohl nur noch bei den Kabarettisten zu erhalten. arbeit ade, dafür haben wir bald die säuberste und beste luft / klima in deutschland. Am besten völlig CO2 frei. Damit Grün endlich welkt und auf den Kompost kann. Gewinnwarnugnen und Entlassungsankündigungen sind nicht existent, wenn man/Frau sie nicht fühlen kann.
Der Punkt ist sehr nah, wo das ruhige Gefühl durch ein kurz gefasstes Schreiben, eine Kündigung, auf einmal völlig gefühlslos real wird.
Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden, wenn erst der Sozialismus in Gänze verwirklicht ist.."


Wir sollten uns nicht umsonst sorgen, Mistral. Ich bin so happy, dass wir jetzt Von der Leyen haben. Lerne gerade ihr Hausaufgabenheft auswendig und werde in Kürze die frohe Botschaft zusammengefasst weiter verbreiten. Ein wirklich schöner Sommertag, heute. Es wird wieder aufwärts gehen.

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Urbadener » So 28. Jul 2019, 14:22

Das ist ja richtig interessant was hier geschrieben wird, denn Rastatt, Bühl und Gaggenau befinden sich in einem illustren Kreis. So meldet Sindelfingen einen Einbruch bei der Gewerbesteuer von 40 Millionen und Wörth meldet, dass das Bankguthaben der Stadt, das zu Beginn des Jahres 2019 bei rund 44,5 Millionen Euro lag, vollständig aufgezehrt wird. Ab sofort dürfen wir noch ähnliche Meldungen aus Stuttgart und Neckarsulm erwarten. Aber auch Kuppenheim und die Gemeinden die sehr stark durch Logistik und Transport von Daimler abhängig sind, werden sehr schnell die Auswirkungen spüren. Wie gut, dass wir auf den Rathäusern mutige weitsichtige und kompetente Politiker*innen sitzen haben.

Sindelfingen: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... 5tTudUcGtE
Wörth: https://www.wochenblatt-reporter.de/woe ... us_a102547

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » So 28. Jul 2019, 16:02

Neckarsulm hat es schon 2017 erwischt, weil Audi früher beim Beschiss erwischt wurde.

https://www.rnz.de/politik/suedwest_art ... 13377.html

40 Millionen weniger Gewerbesteuer scheinen ein Standardwert zu sein.

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » Mo 29. Jul 2019, 06:21

Aus unserer heutigen Heimatzeitung:

Gemeinden unter Druck, wenn Daimler schwächelt

Gewerbesteuer-Einnahmen brechen weg: Wörth noch härter betroffen als Rastatt und Gaggenau
Stuttgart/Rastatt/Gaggenau (lsw/ham) - Beim Autobauer Daimler lief es zuletzt nicht rund: fast ein Drittel weniger Gewinn 2018 als im Jahr davor und zuletzt sogar Verluste - zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009. Das bekommen auch baden-württembergische Gemeinden zu spüren - vor allem kleinere mit großen Daimler-Standorten. So nimmt Rastatt 2019 voraussichtlich rund 80 Prozent weniger Gewerbesteuern ein als im Vorjahr.

Sprudelte in Rastatt im Vorjahr noch die Gewerbesteuer mit 62,4 Millionen Euro, rechnen die Experten jetzt mit knapp einem Fünftel: 2019 könnten demnach lediglich 13 Millionen Euro fließen (siehe "Zum Thema"). Das Murgtal ist nicht ganz so hart betroffen. Dennoch erhält Gaggenau voraussichtlich nur etwas mehr als ein Drittel: Statt 30,6 Millionen sollen es 2019 nur 11,8 Millionen Euro sein.

Wörth am Rhein (Kreis Germersheim) verzeichnet wegen Rückzahlungen wahrscheinlich sogar einen Negativbetrag bei der Gewerbesteuer und muss Schulden aufnehmen. Für die betroffenen Gemeinden heißt es jetzt vor allem sparen.

Wie hängt das Geschäft von Daimler mit den kommunalen Finanzen zusammen?

Daimler zahlt wie auch andere Unternehmen Gewerbesteuer an die Gemeinden, in denen der Autobauer Standorte unterhält. Die Gewerbesteuer ist in der Regel die wichtigste Einnahmequelle von Kommunen und hängt wesentlich vom Gewinn des Unternehmens ab. Sie wird anhand von Prognosen festgesetzt. Nachträgliche Anpassungen können zum Beispiel dazu führen, dass Kommunen weniger Steuereinnahmen als ursprünglich geplant zur Verfügung haben und unter Umständen sogar Steuern zurückzahlen müssen. Wie viel Gewerbesteuer auf eine Gemeinde entfällt, richtet sich nach dem Lohnaufkommen vor Ort. Das heißt, auf einen Standort mit vielen gut bezahlten Mitarbeitern entfällt ein höherer Anteil als auf einen Standort mit weniger und schlechter bezahlten Mitarbeitern.

Welche Gemeinden sind betroffen?
Daimler unterhält mehrere große Standorte im Südwesten. Großstädte wie Stuttgart und Mannheim dürften dabei weniger stark von Daimlers Steuerzahlungen abhängen als die kleineren wie Sindelfingen (Kreis Böblingen), Wörth am Rhein und in Mittelbaden Rastatt beziehungsweise Gaggenau. Bei den kleineren Städten fällt der Rückgang der Gewerbesteuer im Verhältnis zum Aufkommen der Vorjahre jedenfalls wesentlich deutlicher aus als in Stuttgart oder Mannheim. "Vollkommen unerwartet und in der Dimension unglaublich", so beschreibt etwa der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche den Einbruch der Gewerbesteuern in seiner Stadt.

Wie reagieren die Gemeinden?
Mit Haushaltssperren - zu dieser Maßnahme haben jedenfalls Sindelfingen, Wörth am Rhein, Rastatt und Gaggenau gegriffen. Somit kommen Ausgaben, zu denen die Städte nicht verpflichtet sind, auf den Prüfstand. In Gaggenau wird nach Angaben des Kämmerers Andreas Merkel etwa die Sanierung der Fußgängerzone aufgeschoben und einige kulturelle Veranstaltungen werden ausfallen. Rastatt will freie Stellen bei der Stadt zunächst unbesetzt lassen. Zum Teil werden sich die Gemeinden auch erst nach der Sommerpause mit Sparmaßnahmen befassen. Auch für die Zukunft werden sie unter Umständen mit weniger Einnahmen planen müssen. "Wir stellen uns darauf ein, dass es 2020 auch nicht gleich wieder von null auf 100 geht", betont der Gaggenauer Andreas Merkel.

Müssen die Gemeinden jetzt Schulden aufnehmen?
Wörth rechnet damit, dass es im Laufe des Jahres seine kompletten Rücklagen aufbrauchen wird und 15 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen muss. Man habe zwar in den vergangenen Jahren Rücklagen gebildet, aber so ein Totalausfall wie dieses Jahr sei schwer zu verkraften, stellt Sprecher Michael Fischer klar. Die anderen Städte planen nicht mit neuen Schulden. Im Gegensatz zu Stuttgart und Mannheim werden Sindelfingen, Rastatt und Gaggenau aber voraussichtlich auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen. Dennoch sei man noch nicht "schwerst beunruhigt", zeigte sich Heike Dießelberg, Sprecherin der Stadt Rastatt, zuversichtlich. Sie hoffe darauf, dass es im zweiten Halbjahr bei Daimler besser laufe.


Zum Thema: Daimler-Gewerbesteuer

Stuttgart (lsw) - Das Gewerbesteueraufkommen ausgewählter Kommunen mit Daimler-Standorten wird nachstehend aufgelistet. Verglichen werden die Einnahmen 2018 und die voraussichtlichen Zahlen in diesem Jahr:

Stuttgart 2018: 711,0 Millionen Euro 2019: 620,4 Millionen Euro

Mannheim
2018: 333,7 Millionen Euro

2019: 328,2 Millionen Euro

Rastatt

2018: 62,4 Millionen Euro

2019: 13 Millionen Euro

Gaggenau:
2018: 30,6 Millionen Euro

2019: 11,8 Millionen Euro

Sindelfingen
2018: 142,8 Millionen Euro

2019: 42,0 Millionen Euro

Wörth am Rhein
2018: 46,6 Millionen Euro

2019: -3,2 Millionen Euro


"Schwäche" statt Delle

Wirtschaftsflaute
Nürnberg (dpa) - Die zunehmende Exportschwäche vieler deutscher Unternehmen wächst sich nach Einschätzung von Konjunkturexperten immer mehr zu einer länger andauernden Wirtschaftsflaute aus. Inzwischen könne man nicht mehr nur von einer "Konjunkturdelle" reden. Die deutsche Wirtschaft durchlebe eine "anhaltende Schwächephase", betonten Volkswirte.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) geht jedoch davon aus, dass die erwartete Konjunktureintrübung für den deutschen Arbeitsmarkt weitgehend folgenlos bleiben werde. Vor allem in konjunkturunabhängigen Dienstleistungsberufen werde die Zahl der Arbeitsplätze weiter wachsen, glaubt BA-Vorstandschef Detlef Scheele. Die BA prognostiziert rund 680000 mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte als 2018. Vor allem in Erziehungs- und Pflegeberufen, aber auch in der Logistik oder in Metallberufen sei der Bedarf weiterhin sehr hoch. Der Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld ist skeptisch: "Konjunkturdelle - das hört sich für mich ein bisschen zu optimistisch an. Ich würde eher von einer markanten Abwärtsbewegung sprechen." Ähnlich sieht das Allianz-Ökonomin Katharina Utermöhl: "Eine Wachstumsdelle ist das nicht mehr, eher eine anhaltende Schwächephase."

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Re: Mittelzentren in Mittelbaden im Focus

Beitragvon Mistral » Di 30. Jul 2019, 11:37

Ergänzend zum Thema, berichtet heute unsere Heimatzeitung:

Ausblick getrübt

Schaeffler senkt Prognosen
Herzogenaurach/Bühl (dpa) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler schaut pessimistischer auf das Jahr 2019. Angesichts der Schwäche der globalen Automobilproduktion senke der S-DAX-Konzern die Prognose für den Umsatz und den Gewinn, teilte Schaeffler gestern Abend in Herzogenaurach mit. Als Grund wurde auch ein "Nachfragerückgang von einzelnen Großkunden" genannt.

Das Unternehmen rechnet für die globale Automobilproduktion nunmehr mit einem Rückgang von 4,0 Prozent. Am 19. Februar war man noch von einem Rückgang um 1,0 Prozent ausgegangen. "Das Umfeld ist für den Rest des Jahres weiterhin mit hohen Risiken behaftet", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Für 2019 erwartet Schaeffler nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von minus 1,0 bis plus 1,0 Prozent nach zuvor plus 1,0 bis plus 3,0 Prozent. Die Marge auf den Betriebsgewinn (Ebit) dürfte nur noch in Höhe von sieben bis acht Prozent liegen, zuvor hatte Schaeffler mit acht bis neunProzent plus gerechnet.


Hoffen wir doch, dass sich die Ausblicke nicht noch mehr eintrüben.
Umsatzplus von minus 1% hatte ich bisher noch nie gehört. Man(n) lernt nie aus.


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