Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Mistral
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Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Mistral » Fr 5. Jun 2020, 08:25

Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Diese Frage hat sich bei mir aufgeworfen, als ich folgenden Artikel gelesen hatte:

Brenners Park-Hotel: Ansprache für zeitgemäßen Tourismus in Baden-Baden
In einem ausführlichen Text ordnet sich das Hotel auch ein in unserer traditionsreichen Stadt und macht auf die großartigen Angebote in Baden-Baden und seiner Umgebung aufmerksam. Dabei setzt das Brenners weniger auf das nicht mehr so zeitgemäße Publikum der Partygesellschaften der letzten zwei Jahrzehnte, sondern auf die Typologie des anspruchsvollen, naturbewussten Touristen und Reisenden.
https://www.goodnews4.de/nachrichten/al ... gory_id=22

Wird anstatt Schampus nun Lindenblütentee angeboten? Ist Wellness passè, sind dafür Leibesübungen in der Natur angesagt? Kommt anstatt edlem Fisch aus dem Atlantik nun heimisches Wild auf die Speisekarte? Oder wird gar komplett auf vegane Kost umgestellt?
Wenn das neue Tourismuskonzept einer Edelherberge nun mehr "Natur anstatt Party" lautet, sind doch wohl solche Fragen erlaubt.

Arminius
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Arminius » Fr 5. Jun 2020, 10:14

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja!
Neben all den gesundheitsbedingten Sicherheitsmaßnahmen wird das "Corona-Pandemie-Erlebnis" ein nachhaltiger Schub für all jene sein, die ihre Mitbürger nur all zu gerne besserwisserisch maßregeln, bevormunden und entmündigen wollen. Denn es gibt eine Spezies, die sich trotz Rezession, Depression, Klimakatastrophe, Politikversagen u.v.a.m. explosionsartig vermehrt und das sind die OberlehrerInnen mit dem erhobenen(drohenden) Zeigefinger.

Wer da in ein Luxushotel zieht und dafür auch noch ein Vermögen bezahlt steht bei mir unter dem Generalverdacht der Liebhaberei der Sado-Maso-Szene mit ihren Gepflogenheiten. Das wäre das allerletzte, dass mich das Hotel noch auf Schritt und Tritt versucht in meinem Aufenthalt als Gutmensch zu guiden. Dann bevorzuge ich es eher unversnobbter bei der Konkurrenz.

Mistral
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Mistral » Sa 6. Jun 2020, 13:19

Arminius hat geschrieben:Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja!

Allerdings nur dann, wenn wir uns weiterhin alles gefallen lassen und uns nicht wehren.

Ein Angebot kann ich ablehnen wenn es mir nicht gefällt. Ich muss nicht unbedingt beim Discounter oder im Supermarkt einkaufen, die Dinge für den täglichen Gebrauch sind auch auf den Wochenmärkten ohne Maske zu erhalten. Außerdem habe ich die letzten Wochen dazu benutzt, meine Vorratshaltung zu kontrollieren und gewisse Lebensmittel aufzubrauchen deren Bestand mir zu hoch erschienen. Meinen Kleiderschrank habe ich ebenfalls entrümpelt und dabei festgestellt, über die Sommer-Herbst-Saison komme ich problemlos hinweg. Gleiches gilt für die Schuhe. Daher werde ich meinen Konsum hauptsächlich auf das beschränken was da ist. Sollen sich doch diejenigen beim Geld ausgeben sich gängeln und bevormunden lassen die das brauchen. Meines Erachtens ist nur eine Änderung der jetzigen Verhältnisse möglich, wenn immer mehr Menschen dubiose Angebote ablehnen die unsere Freiheit beschneiden. Dazu zählen ich auch "fortschrittlichen" und naturbewussten Tourismus, wenn es so etwas überhaupt geben sollte.
Eine noch einfachere Formel lautet: Weniger Konsum bedeutet weniger Umsatz. Weniger Umsatz bedeutet weniger Steuerlast. Danach schauen wir in aller Ruhe zu, wie sich die Konjunkturpakete in Luft auflösen. Wir haben es in der Hand. Nur 6 Monate strikte Disziplin und schon wird der komplette Wachstumswahn zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

Urbadener
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Urbadener » So 7. Jun 2020, 08:14

Mistral hat geschrieben:Nur 6 Monate strikte Disziplin und schon wird der komplette Wachstumswahn zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

Da bröckelt es schon gewaltig.

TOD der Innenstädte: Maskenzwang und Hygieneauflagen als Sargnägel für Einzelhandel und Gastronomie

Einzelhandel und Gastronomie. Die Bedingungen, unter denen sie seit rund drei Wochen wieder bundesweit öffnen dürfen, bedeuten für sie keine Erholung, sondern Leidensverlängerung.
Bei einem Drittel aller Nichtlebensmittel-Geschäfte, also Kleidung, Elektronik, Möbel, Haushaltssortimente etc., liegt Umsatz laut HDE bei weniger als der Hälfte vom Vorjahr, bei einem weiteren Drittel immerhin noch 51 und 75 Prozent. Hauptgrund ist laut Experten die Maskenpflicht – denn diese zerstört beide Stärken des stationären Handels im Vergleich zum Onlinehandel: die Beratungsfunktion sowie das persönliche Einkaufserlebnis.
Tatsächlich bleiben die Einkaufsstraßen derzeit weitgehend leer, alleine am zweiten Mai-Wochenende lag die Passantenfrequenz auf den bekannten Shopping-Meilen der Großstädte bis zu 63 Prozent unter der von 2019. Und im Sommer wird es noch schlimmer, denn gewöhnen wird sich bei 30 Grad und mehr niemand an die Maske als Alltagsattribut. Spätestens dann werden nur noch die nötigsten Einkäufe erledigt.
Lange kann all das nicht gutgehen. Der Handel wird ein ebenso großes Sterben erleben, wie es auch für die Gastronomie zu beobachten ist.

Inzwischen geben immer mehr Gastronomen auf, weil für sie die Bruchteile des regulären Umsatzes, die ihnen die Bedingungen zur Wiedereröffnung noch erlauben, nicht zum Überleben reichen.
Die Wirte beklagen das „finanzielle Desaster“, und verweisen darauf, dass selbst die Biergärten, die bis 22 Uhr öffnen dürfen, das Minusgeschäft nicht herausreißen. Neben dem Ausbleiben der Touristen sind es vor allem die Datenauflagen und die Beschränkungen für die Gästegruppen an den Tischen, die einen Normalbetrieb völlig vereiteln.

Doch nicht nur das Einkaufen, auch das gesamte Lifestyle- und Freizeitleben wird durch die weiterhin geltenden Auflagen abgewürgt und beinahe verunmöglicht. Fitnessstudios, wo niemand duschen darf, Wellness- und Badeanstalten mit strengen Zutrittsbeschränkungen, vor allem aber die unwirklichen und für Kunden wie Betreiber gleichermaßen lästigen Vorschriften in der Gastronomie schaffen eine geisterhafte Atmosphäre, die von vertrautem Alltagsleben weit entfernt ist.
https://www.journalistenwatch.com/2020/ ... skenzwang/

Spätestens im Herbst wird das Fiasko erst richtig sichtbar. Bis dahin werden Händler und Gastronomen auf ein gutes Ende hoffen und eine Insolvenzverschleppung betreiben.

Stella
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Stella » So 7. Jun 2020, 10:54

Ich gehe nur einkaufen wenn ich unbedingt muss.
Meistens nehme ich noch die Sachen mit, die Oma und Opa brauchen.
Der Einkauf erfolgt streng nach Einkaufszettel.
Es macht keinen Spaß mit der Maske und all den ängstlichen Leuten.
Wenn jetzt noch der Garten mehr abwirft, gehe ich noch weniger aus dem Haus.
Liebe Grüße Stella

MIKE
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon MIKE » So 7. Jun 2020, 13:45

Journalistenwatch:
„Das gesamte Lifestyle- und Freizeitleben wird durch die weiterhin geltenden Auflagen abgewürgt“
„Tod der Innenstädte: Maskenzwang und Hygieneauflagen als Sargnägel für Einzelhandel und Gastronomie“

Wer eine eine Fahnenstange und eine Fahne hat, sollte jetzt halbmast flaggen. Die bisher verlorenen Errungenschaften müssen sich die Europäer erst wieder erarbeiten oder an der Verteilung des Reichtums untereinander etwas ändern. Von der Leyen hat den „Wiederaufbau“ der darniederliegenden EU versprochen, mit welchen Mitteln wissen wir. Niemand soll dauerhaft auf sein Lifestyle verzichten müssen.
Zbigniew Brzeziński hat schon 1995 auf der Versammlung des Global Braintrust gesagt, was und wie es kommen muss. Der Mann hat früh und sicher erkannt, wohin die Reise geht.
Dass allerdings „mehr und mehr“ in der Bevölkerung eine Illusion von Normalität“ entstehen soll, „so, als sei die Pandemie im Grunde schon vorbei“, scheint sehr gefährlich zu sein. Niemand weiß heute – auch die Virologen nicht - ob schon alles vorbei oder die Pandemie wenigstens am Abklingen ist. Jeder wünscht sich angesichts der zum Teil verheerenden Folgen, die wir bei den „critical cases“ in epischer Bereite über die Medien von Betroffenen vermittelt bekommen, dass da nicht wieder etwas kommt. (siehe SWR „betrifft“ in dieser Woche. Ich empfehle jedem, sich diese Stunde Zeit zu nehmen.)
Das Virus indes kann die Schuldzuweisungen allerdings gut vertragen, weil es auch mitbekommen hat, dass die Finanzen auf dem Planet nicht in Ordnung sind (siehe Kralle, Otte und andere) und dass es beim Einzelhandel und der Gastronomie (wer zählt heute alles zur Gastronomie?) schon lange gekriselt hat und zumindest für die Lohnarbeiter kaum noch etwas zu verdienen war und man am besten Tag und Nacht zur Stelle war.
Die vielen uns von der Regierung bezeugten Alternativlosigkeiten sowie zum Beispiel das jahrelange Gejammer des HOGA-Vorsitzenden aus Baden-Baden, der demograhische und damit verbundene kulturelle Wandel – sie alle tragen ihr Quäntchen zur heutigen Situation bei und verkürzen mit oder ohne Corona keinesfalls die „Leidensverlängerung“, von der jorunalistenwatch meint, gebetsmühlenartig berichten zu müssen.
Betriebe, die bisher schon „auf Kante genäht“ gearbeitet und Leute beschäftigt haben, sollten sich wirklich überlegen, ob sie noch weiter machen wollen.
Die Maskenpflicht sollte man nicht so schwarz sehen. China und andere, ja sogar Religionen zeigen, dass man auch mit Masken gut leben und einkaufen kann. Alles Gewohnheitssache.
„Freude am Einkehren“ ja, aber auch beim „Shoppen“? Ich habe mir den Unterschied zwischen „Shoppen“ und „Einkaufen“ genau erklären lassen und muss feststellen, da ich in diesem Punkt über keinerlei Erfahrung verfüge. Vielleicht muss man tatsächlich ein bisschen von dieser Lust aufgeben. Es muss ja nicht gleich in Depressionen enden.
„Aussagen von Angela Merkel jedoch, die im ZDF-Interview eine indirekte Aufrechterhaltung der weiterhin geltenden Beschränkungen bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs andeutete“, sind wirklich abenteuerlich Sie soll ja auch selbst einkaufen und kann ja kaum stehen. Hat sie schon einmal jemand gesehen? Die guten alten Bildreporter gibt es wohl auch nicht mehr oder doch?
Niemand weiß zum heutigen Zeitpunkt, wann es einen akzeptablen Impfstoff gibt. Niemand weiß, ob und wie lange ein nach heutiger Sicht genesener Mensch ungefährdet leben kann.
„Die individuellen Verhaltensanpassungen der Deutschen“ über die staatlichen Restriktionen hinaus machen durchaus noch einen Sinn. Je mehr Achtsamkeit, desto besser; das lernen wir heute bei jeder ernstzunehmenden Krankheit. Man kann Merkel und den „hormongeschwängerten“* Ministerpräsidenten* viel unterstellen, aber von „aktionistischen Maskenzwang“ und einer „geisterhaften Textilie ohne nachweislichen medizinischen Nutzen“ zu schreiben ist mehr als dumm und dreist.
Die Krisenpolitik steht sicherlich in einem angemessenen Verhältnis zur derzeitigen gesundheitlichen Gefahr. Es gibt kein Kosten-Nutzen-Verhältnis der Corona-Maßnahmen. Die Massentests sind längst überfällig. Es geht um die wirtschaftliche Zukunft auf diesem Planeten, die kulturelle scheint beschlossen zu sein. Und es geht um Macht, geostrategische Vorteile (Deutschland will unbedingt mitmischen), um das angeblich menschengemachte Klima, die bevorstehenden Bundestagswahlen und um Reichtum sowie kurzfristig noch um Urlaub und die Kreuzfahrtschiffe, die vielen Flieger am Boden und und und.
*Weltärztepräsident Montgomery

Mistral
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Mistral » Mo 8. Jun 2020, 09:38

MIKE hat geschrieben:Unterschied zwischen „Shoppen“ und „Einkaufen“

Einkaufen heißt, die tatsächlich benötigten Dinge zu besorgen.
Beim Shoppen wird sehr oft Geld für sogenannte Spontankäufe ausgegeben. Für das hübsche und eventuell noch reduzierte Kleidungsstück, welches als Schnäppchen präsentiert werden kann. Wenn sich allerdings auf den Einkaufsstraßen nur noch 47% der sonst üblichen potentiellen Käufer tummeln, sind gerade diese Spontankäufer unterrepräsentiert und das spürt der Handel schmerzhaft in der Kasse.

Das trifft nicht nur die 1A-Lagen in unseren Städten, sondern den Handel mit nichtlebensnotwendigen Produkten allgemein. Zudem haben die Mieten für Verkaufs- und Bewirtungsflächen an stark frequentierten Plätzen und Straßen in den vergangenen Jahrzehnten geradezu exorbitante Höhen erreicht. Schon aus diesem Grund ist der Handel auf Shopper und Schnäppchenjäger angewiesen. Gerade in der jetzigen Situation sitzt jedoch der größte Teil der Saisonware noch in den Regalen, weil Dank dem Lockdown die Geschäfte davon nichts verkaufen konnten, bezahlt werden muss, jedoch wegen fehlenden Kunden nicht zu regulären Preisen abverkauft werden kann und jeden Tag an Aktualität verliert. Zuzüglich die hohen Mieten und Fixkosten, sowie in vielen Fällen noch zu bedienende Kredite. Das können nur gesunde Einzelhändler überstehen, die wenig fremdes Personal benötigen und möglichst in den eigenen Räumlichkeiten arbeiten.

Zu einem gelungenen Shoppingtag gehört natürlich ein Kännchen Kaffee oder ein Eiscafé, ein Gläschen Aperol Spritz, Hugo oder sonstige „in“ Getränke und weil der Tag sowieso gelaufen ist, der würdige Abschluss beim Edelitaliener. Entfällt dieser Konsum größtenteils, ergibt das in der Summe ein sehr explosives Gemisch.

Urbadener hat geschrieben:Spätestens im Herbst wird das Fiasko erst richtig sichtbar.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

MIKE
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon MIKE » Mo 8. Jun 2020, 10:37

Mistral hat geschrieben:Zu einem gelungenen Shoppingtag gehört natürlich ein Kännchen Kaffee oder ein Eiscafé, ein Gläschen Aperol Spritz, Hugo oder sonstige „in“ Getränke und weil der Tag sowieso gelaufen ist, der würdige Abschluss beim Edelitaliener. U

Vielen Dank für die ausführliche Informationen. Jetzt weiß ich, warum das immer so lange dauert, bis die Vögel wieder im Nest sind.

Sten
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon Sten » Mo 8. Jun 2020, 11:16

MIKE hat geschrieben:Jetzt weiß ich, warum das immer so lange dauert, bis die Vögel wieder im Nest sind.

In der Tüte sieht man die Schnäppchen nicht.
Die müssen irgendwo gezeigt werden :lol:
Das darf dann ruhig das vorher gesparte Geld kosten.
Einen Fummel für 50 gekauft anstatt für 100 Euronen.
Sind 50 Euronen für Frutti de Mare. Luigi freut sich.
Sowas können nur Spießer nicht verstehen
LG Sten

MIKE
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Re: Wird die Welt nach Corona eine andere sein?

Beitragvon MIKE » Di 9. Jun 2020, 16:52

"Die "kleinen Leute" fordern ihr Recht auf Alltag ein
Wie wäre es mit einer Rückkehr zur Normalität?
Die Menschen, die mit ihren Kindern in Dreizimmerwohnungen ausharren mussten, möchten mit ihrem Benzin-Wagen ausfahren; die monatelang arbeitslosen Flug-Hostessen möchten wieder ihre Passagiere betreuen; die Kurzarbeiter in der Industrie möchten zurück an ihren Arbeitsplatz.
Jawohl, die unzähligen einfachen Leute, die kleinen Bürger, die Kleinbürger, die von elitärer Warte so leichthin verachteten Spießer – sie fordern ihr Recht. Auf ihren Alltag. Mit Recht. Dies alles wäre vonseiten der Um-Denker zumindest mit zu bedenken, wenn sie die westliche Welt als herrschendes Elend und nahenden Untergang deuten – und dabei der verqueren Formel von Theodor W. Adorno aus den 1950er-Jahre folgen, die da lautete: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen."
Denn genau darauf läuft die aktuelle Schwarzmalerei ja hinaus: Die Menschen, die jetzt leben, leben ein falsches Leben, weil das richtige sich erst in weiter Ferne abzeichnet – als Erlösung vom Elend des kapitalistischen, also falschen Alltags.
Doch die Menschen leben nun mal das Leben, das sie gerade leben. Es ist ihr einziges. Sie möchten es bejahen, darin erfolgreich sein – auch glücklich.
Welche Anmaßung, Menschen das richtige Leben abzusprechen! Das Bild von der düsteren Existenz hienieden, erleuchtet allein durch gleißende Verheißungen, wird mit dem Anspruch verkündet, die Ahnungslosen zum richtigen Tun in ihrem falschen Leben anzuleiten – sie zu erziehen. In Deutschland widmet sich mit den Grünen eine ganze Partei dieser pädagogischen Aufgabe."
Frank André Meyer (Jahrgang 1944) ist ein Schweizer Journalist und Kolumnist.


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