Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Urbadener
Beiträge: 1753
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 06:16

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Urbadener » Mo 9. Mär 2020, 06:48

Nachtrag!
Vor wenigen Minuten standen Dax und Mdax mit 0,3% im Minus, jetzt sind es schon über 5%.
Keine Panik bitte, denn der Ölpreis hat sich um 5$ pro Barrel erholt. Alles wird GUT.

Mistral
Beiträge: 1819
Registriert: Mi 20. Jan 2016, 11:14

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Mistral » Mo 9. Mär 2020, 08:55

Es wird schon lange befürchtet, dass die Börsen eine satte Korrektur erleben werden. Jetzt scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein. Nicht nur Corona, auch der Ölpreis dürfte neben einer Abschwächung der Weltwirtschaft der Auslöser dafür sein. Angeblich sind sich Russland und Saudi-Arabien nicht einig, deshalb rauschte heute Morgen der Ölpreis um runde 30% in den Keller. Aus diesem Grund könnte heute Nachmittag MEZ, nach Öffnung der US-Börsen, mit einem Crash bei Aktien aus der Öl- und Schiefergasindustrie zu rechnen sein. Momentan steht der dow mit 5,1% im Minus, dieser Wert ist allerdings noch steigerungsfähig.

Nicht nur die deutsche Börse kämpft derzeit mit einem satten Minus (aktuell -7,2%, wir waren heute schon bei -9,5%) auch weitere wichtige Handelsplätze melden satte Verluste. Sydney -7,33%, Tokio -6,11% und Singapur -4,5%.

Allen Anzeichen nach zu urteilen, dürfen wir uns auf eine recht interessante Woche einstellen. Wenn die Korrektur in vollem Umfang durch schlägt, können die prognostizierten Abschläge von mindestens 30% der Aktienwerte sehr rasch Realität werden. Das ist meines Erachtens ein weiterer Grund, für die Spezialisten die das bisher noch nicht getan haben, noch einmal den Bestand an WC-Papier und Tütensuppen zu kontrollieren und den Gegebenheiten anzupassen.

Mistral
Beiträge: 1819
Registriert: Mi 20. Jan 2016, 11:14

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Mistral » Mo 9. Mär 2020, 14:59

So geht es auch:

Wirtschaft im Taumel Handel an der Wall Street wegen starker Kursverluste ausgesetzt
https://m.tagesspiegel.de/wirtschaft/wi ... emein.html

Oder frei nach Markus Krall: "Der Crash ist da!"

Guten Tag Deutschland,
Der Crash ist da. Falls es jemanden tröstet: Meine zeitliche Einschätzung war falsch, es hat früher geknallt aufgrund des Brandbeschleunigers Corona. Von hier aus geht es wirtschaftlich in die erst deflationäre und dann inflationäre Abwärtsspirale.

Sten
Beiträge: 1129
Registriert: So 31. Jan 2016, 10:38

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Sten » Mo 9. Mär 2020, 17:22

Ach du lieber Gott, dax mit 8,9% Minus heute.
Und Morgen? Quarantäne für die Börse?

Mistral hat geschrieben:Oder frei nach Markus Krall: "Der Crash ist da!"

Das glaube ich jetzt auch.
Das etwas in der Luft ist war mir klar.
Aber das es so schnell geht habe ich nicht geglaubt.
LG Sten

Urbadener
Beiträge: 1753
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 06:16

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Urbadener » Do 12. Mär 2020, 07:49

Sten hat geschrieben:Aber das es so schnell geht habe ich nicht geglaubt.

Der Wind dreht sich sehr schnell. Gestern noch wurde Wachstum prognostiziert und heute:

Die Corona-Rezession kommt

Führende deutsche Wirtschaftswissenschaftler schreiben Wachstum für dieses Jahr ab – und fordern mehr staatliche Hilfe für die Unternehmen.

Die Ökonomen – Peter Bofinger, Sebastian Dullien, Gabriel Felbermayr, Clemens Fuest, Michael Hüther, Jens Südekum und Beatrice Weder di Mauro – gehen davon aus, dass die Virusinfektion den mehr als zehn Jahre währenden Aufschwung in Deutschland beenden wird. Im ersten Halbjahr werde die Wirtschaft „mit Sicherheit“, womöglich auch im Gesamtjahr in die Rezession rutschen,

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 73760.html

Das sagen die guten Ökonomen, während deren böse Kollegen in der Vergangenheit immer als Verschwörungstheoretiker beschimpft wurden.

Wer die Zeit aufbringen kann, der sollte heute die Börse beobachten.

Hier ist das möglich: https://www.n-tv.de/

Der Dax ist unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht, das Tagesminus liegt aktuell bei Minus 5,5%.

Mistral
Beiträge: 1819
Registriert: Mi 20. Jan 2016, 11:14

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Mistral » Do 12. Mär 2020, 13:02

Urbadener hat geschrieben:Wer die Zeit aufbringen kann, der sollte heute die Börse beobachten.

Das Tagesminus hat sich auf 8,2% erhöht. Interessant wird es ab 14 Uhr MEZ, wenn der Handel an den US-Börsen beginnt.
So wie sich die Situation derzeit darstellt, könnten wir uns vor einem schwarzen Wochenende befinden.

Friedrich von Hayek
Beiträge: 450
Registriert: Do 21. Jan 2016, 17:02

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Friedrich von Hayek » Fr 13. Mär 2020, 11:36

Schaut Euch bitte den Videoclip am Ende des Artikels an, wo Michael Mross Dr. Markus Krall interviewt!

https://www.mmnews.de/wirtschaft/140530 ... g-vom-ende

Urbadener
Beiträge: 1753
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 06:16

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Urbadener » Mo 16. Mär 2020, 18:14

Es scheint so zu kommen, wie es Markus Krall beschreibt.

Die Börsen sind heute wieder brutal eingebrochen. Das Angebot an Bullionmünzen in Gold uns Silber ist mehr als übersichtlich, bei Barren habe ich nicht nachgesehen. Die massive Drückung der Edelmetalle scheint einen Kaufanreiz geliefert zu haben. Egal was von den Zentralbanken angestellt wird, es scheint sich immer als Eigentor zu entwickeln.

Wenn jetzt noch die Lieferketten im Einzelhandel kollabieren, ist Schicht im Schacht.

Urbadener
Beiträge: 1753
Registriert: Mo 18. Jan 2016, 06:16

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Urbadener » Mi 18. Mär 2020, 10:51

Das Virus und der Crash: Kein schwarzer Schwan
Die von der WHO inzwischen offiziell ausgerufene Coronavirus-Pandemie hat schon jetzt
wesentlich massivere Auswirkungen auf die Wirtschaft, als ursprünglich befürchtet. Von einem nur
„leichten Dämpfer“ für die Konjunktur kann längst keine Rede mehr sein. Die Wahrscheinlichkeit
einer weltweiten Rezession nimmt mit jeder Stunde zu.
Die Einschränkung der individuellen Mobilität, wie sie in Italien flächendeckend verordnet
wurde, wirkt sich naturgemäß verheerend auf die gesamte Volkswirtschaft, sowie auf deren in- und
ausländische Kunden und Zulieferer aus. Mobilität bedeutet eben Freiheit – auch für den
Broterwerb. Geht es mit dieser Freiheit bergab, dann auch mit dem Wohlstand der Nation(en).
Noch ist es zu früh für seriöse Prognosen. Aber gerade Italien, das innerhalb der EU in
wirtschaftlicher Hinsicht wohl größte Sorgenkind mit seinen zahlreichen ungelösten
Strukturproblemen, könnte sich als der Stolperstein für das weitere Schicksal der Union –
insbesondere für die Gemeinschaftswährung - erweisen. Denn beim schwer verschuldeten
italienischen Staat handelt es sich um ein ganz anderes Kaliber als im Fall Griechenlands. Italien
kann niemand im Vorbeigehen aus seinen Problemen herauskaufen – auch die EZB und der IWF
nicht. Dennoch ist schon von Milliardenspritzen für den italienischen Patienten die Rede, um
strauchelnde Betriebe über Wasser zu halten - und das sind nicht wenige. Christine Lagarde stellt
seitens der EZB bereits eine Verdoppelung des Anleihekaufprogramms in Aussicht.
Krisen und Kriege (wogegen auch immer sie geführt werden) verhelfen den Regierungen
stets zur Machtkonzentration und –Ausweitung. Wer dabei nicht freudig mitzieht, wer hoheitliche
Interventionen nicht kritiklos gutheißt, findet sich sehr schnell in der Rolle des Sündenbocks,
Volksfeindes oder gar eines Verräters wieder.
Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise ist geradezu perfekt dafür geeignet, um von
vielen in der Vergangenheit gemachten Fehlern abzulenken und die Welt noch stärker in Richtung
einer Überwachungs- und Regulierungswüste zu transformieren. Wir haben es keinesfalls mit einem
in Gestalt des Virus unerwartet aufgetauchten „schwarzen Schwan“ zu tun, der mit einem Mal alles
verändert und manche Freihandelsfeinde bereits über einen „globalen game changer“ frohlocken
läßt. Nein, Corona liefert lediglich den Funken, der die Lunte zum Brennen und die längst gelegte
Ladung zur Explosion bringt. Börsencrash, Ölpreisschock (diesmal nicht wie 1973, sondern in die
Gegenrichtung), „Flüchtlings“-Tsunami an der Außengrenze der EU – all das wäre auch ohne das
Virus nicht zu vermeiden gewesen. Zu lange wurden einfach die falschen Anreize geboten.
Wie geht es mittelfristig weiter? Die Pandemie wird – nach soundso vielen Todesopfern -
wieder abklingen. Die Menschheit hat auch mehrere weit schlimmere Pestepidemien überlebt.
Gesunde Betriebe werden – vorausgesetzt die von den Regierungen verhängten
Zwangsmaßnahmen fallen nicht zu drastisch aus und dauern nicht zu lange an – die Krise
überstehen. Viele der zahlreichen „Zombieunternehmen“ dagegen, die schon seit Jahren nur dank
der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken immer noch nicht liquidiert wurden, werden wohl
untergehen.
Insofern liefert das Coronavirus-Problem, wie jede Krise, auch eine Chance für einen
Neustart. Aus der Wirtschaftskrise 2007/2008 wurden ja leider keine Konsequenzen gezogen –
jedenfalls keine richtigen. Die damals offenbar gewordenen Probleme wurden durch eine
Verstärkung deren Ursachen – mit einer noch größeren Geld- und Kreditschwemme - bekämpft. Es
war, als habe man versucht, Brände mit Benzin zu löschen. Die an der damaligen Krise wahren
Schuldigen, Regierungen, Zentral- und Geschäftsbanken, also der politisch-geldindustrielle
Komplex, hatten dann auch noch die Chuzpe, „die Märkte“ des Versagens zu bezichtigen und auf
rigorosen Interventionsmodus zu schalten. Das konnte nicht gutgehen – einfach, weil
Planwirtschaften eben noch nie funktioniert haben und auch nie funktionieren werden. Die Corona-
Pandemie demaskiert die Hybris der Nomenklatura noch brutaler als der Klimawandel.
Daher: Schluss mit der sozialistischen Kommandowirtschaft und der Konkursverschleppung
der „too-big-to-fail“-Banken! Zurück zu einer verantwortlichen Betriebsführung! Her mit beinharten
Haftungsregeln für Vorstände, Aufsichtsräte und die politische Klasse, sowie mit einem
Insolvenzrecht für Staaten!
Um die über lange Zeit hinweg aufgebauten Verzerrungen aufzudecken, hätte es der Corona-Pandemie nicht bedurft.
Andreas Tögel

Friedrich von Hayek
Beiträge: 450
Registriert: Do 21. Jan 2016, 17:02

Re: Steht Europa/die Welt vor einer neuen großen Finanzkrise?

Beitragvon Friedrich von Hayek » Mi 18. Mär 2020, 12:46

Alles in allem eine sehr gute Wiedergabe der Situation.

Was ich nicht erwähnt finde und genügend Beachtung geschenkt sehe sind zweierlei Dinge:

1. Der Ausfall der Zombieunternehmen (im Jahr ca.1 bis 2 % und über die letzten 15 Jahre akkumuliert mindestens 20%) kommt jetzt auf einen Schlag auf die Banken zu mit ausfallenden Krediten. Hinzu kommen im gleichen Moment die Insolvenzen von vom Corona-Virus betroffenen Betrieben, die das Volumen auf 25% oder noch weit höher pushen werden. Das wird Banken ins Wanken bringen mit ebenso unerwarteten Notfall- und Zwangsmaßnahmen bis hin zu Zwangsschließungen. Das SAG-Gesetz kommt in Reichweite angewendet zu werden. Bankruns werden wahrscheinlich. Da kann eine EZB noch so viel Geld auf den Markt schmeissen, wenn die Psyche der Bevölkerung durchdreht, ist Land unter mit allen Konsequenzen.

Diese 20% Zombieunternehmen sowie die hinzukommenden durch den Corona-Virus, die bisher keine Zombieunternehmen waren, werden wohl mindestens rund ein Viertel bis ein Drittel der Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit entlassen. In einer tiefen Rezession werden die meisten nicht schnell wieder Arbeit und Lohn und Brot finden. D. h. es wird ein Millionenheer an Arbeitslosen geben. Der Staat wird alleine durch Bankenrettungen, aber auch durch Unternehmensrettungen und Alimentierung von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen so sehr in Schieflage kommen, dass es den Euro sprengen wird. Und dabei ist Deutschland eines der Länder in der EU, der es noch relativ am Besten geht.

2. Der Euro wird an obigem Sachverhalt scheitern. Unsere Währung wird sich in Wohlgefallen auflösen. Was dann mit Renten, Lebensversicherungen, Sparanlage, BSVs und allen anderen nominalen Anlagen passiert kann sich jeder mit etwas Phantasie selbst ausmalen.

Die Welt wird nach dieser Zäsur eine radikal andere sein. Und, es wird nicht gerade mal im Schweinsgalopp werniger Tage oder Wochen erledigt sein.
Man ist gut beraten von mehreren Jahren auszugehen. Ob wir dann in einem roten, grünen oder braunen Sozialismus aufwachen werden, oder in einer freiheitlich sozial-marktwirtschaftlichen, weiß noch nicht einmal der Himmel. Ich bezweifle, dass eine uninteressierte und uninformierte/-gebildete Öffentlichkeit in der Lage sein wird, zwischen marktschreierischen Scharlatanen und seriösen Ökonomen zu unterscheiden. Interessant wird auch sein, auf welche Seite sich die Mainstream-Medien als Zünglein an der Waage schlagen werden.

Es ist richtig sich momentan auf das Virusproblem und die Pandemie zu fokussieren. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen aber auch oben genannte mittel- und langfristige Folgen, die morgen unser Leben bestimmen werden.


Zurück zu „Themen aus der Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast